Heiratsfieber in Lisdoonvarna

Das größte Matchmaking Festival Europas findet in Irland statt

14.09.2009 Renate Oetjens

Früher suchten einsame irische Farmer hier die Frau fürs Leben, heute strömen rund 40.000 Singles und Neugierige zum Heiratsfestival an der irischen Westküste.

Der Monat September steht in Lisdoonvarna ganz im Zeichen der Liebe: Wochenlang strömen Singles, Glücksritter und Neugierige aus aller Welt in den historischen Kurort, der den Rest des Jahres im erholsamen Dornröschenschlaf verbringt.

Rund 40.000 Gäste bevölkern alljährlich im September Pubs, Dance Halls, Restaurants und Hotels der Region und machen den traditionellen Heiratsmarkt zur größten öffentlichen Partnervermittlungsveranstaltung Europas, manche sagen, sogar der größten der Welt.

Tanzen statt Speed Dating: Die Geschichte des Matchmaking Festivals in Lisdoonvarna

Schon seit 150 Jahren ist das 800-Einwohner-Städtchen im County Clare der Schauplatz für Eheanbahnungen der besonderen Art. Denn wie in vielen ländlichen Regionen fand auch in Irland nicht jeder Bauer oder Fischer seine Zukünftige im eigenen oder im Nachbardorf.

Wer aus beruflichen Gründen nicht reisen konnte, weil er die Farm nicht verlassen konnte, oder ohnehin nicht über die Mittel verfügte, um bei der Brautschau weitere Kreise zu ziehen, war darauf angewiesen, dass ihm jemand einen entscheidenden Tipp gab.

Nicht nur in Irland, auch in anderen Ländern wurden so beispielsweise Viehhändler nebenbei zu Partnervermittlern - sie wussten, wo einsame Herzen lebten und konnten sie zueinander führen. Manche notierten sich die Profile der Partnersuchenden in Büchern, um im rechten Moment alle Daten parat zu haben.

Märkte waren eine weitere Chance, einmal auf andere Menschen zu treffen und vielleicht so die Liebe fürs Leben zu finden. In Lisdoonvarna kombinierte man beides und ließ professionelle Matchmaker, also Profis der perfekten Verbindung, nachhelfen, wo die Liebeswilligen bei Tanz und Bier nicht von allein zueinander fanden.

Lisdoonvarna heute: Rummel statt Romantik, Craic statt Karma

Da die Iren bekanntlich zu feiern verstehen, erfreute sich das Festival im Laufe der Jahrzehnte wachsender Beliebtheit und zieht mittlerweile Besucher aus aller Welt an. Zwar geht es hier offiziell nach wie vor ums Matchmaking, aber ganz so ernst wird das nicht mehr gesehen. Viele kommen einfach, um Craic (Irisch für Spaß) zu haben, Musik, Tanz und ausgelassene Geselligkeit zu genießen. Sollte man dabei sein Herz verlieren - um so besser!

Während Singles und andere in den Pubs flirten, was das Zeug hält, ist der traditionelle Matchmaker aber nach wie vor im Einsatz. Willie Daly, der bereits in vierter Generation Ehen schmiedet, hütet sein Notizbuch, dass inzwischen die Ausmaße eines Großstadttelefonbuches hat, wie seinen Augapfel. Schon sein Großvater notierte darin die Namen von Heiratswilligen.

Abergläubische behaupten, dass es Glück bringt, sich in diesem Buch zu verewigen. Und wer erst einmal drinsteht, soll angeblich innerhalb der nächsten sechs Monate unter die Haube kommen.

Heiratswillige Iren stehen dem Rummel von Lisdoonvarna inzwischen oft skeptisch gegenüber. Zwar verirrt sich auch der eine oder andere Farmer auf Brautschau hierher, nachdem die Ernte eingefahren ist. Wenn eine Frau jedoch wirklich davon träumt, mit einem echten irischen Fischer in den Sonnenuntergang zu schauen oder mit einem einsamen Farmer den Bund fürs Leben zu schließen, sollte sie ihr Glück vielleicht lieber in einem Pub in Ennis oder einem beschaulichen 20-Seelen-Dorf probieren.

Wer die irische Kuppelshow in eine Rundreise integrieren möchte, sollte rechtzeitig ein Quartier in Lisdoonvarna oder Umgebung reservieren. Sehenswürdigkeiten in der Nähe sind die berühmten Cliffs of Moher und die steinige Mondlandschaft Burren mit Höhlen und einer einzigartigen Vegetation. Wer gern surft, findet geeignete Strände in Lahinch und Fanore.

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